Bitcoin vererben: Der Notfallplan für deine Erben
Bitcoin bietet dir absolute Souveränität. Es gibt keine Bank, die dein Konto einfrieren kann. Das bedeutet aber auch: Es gibt keine Bank, die im Todesfall den Zugang an deine Erben übertragen kann. Wenn du deine Zugangsdaten mit ins Grab nimmst, sind die Coins für immer verloren – sie werden zu "Spenden" an alle anderen Bitcoin-Nutzer, da das Angebot verknappt wird.
Das Dilemma der Sicherheit
Du stehst vor einem schwierigen Balanceakt: Einerseits willst du, dass deine Erben im Notfall einfach an das Vermögen kommen. Andererseits willst du nicht, dass sie (oder ein Einbrecher, der den Plan findet) schon zu deinen Lebzeiten Zugriff haben.
Die Lösung: Der "Letter of Instruction" (Anleitungsbrief)
Der sicherste Weg ist meist analog. Erstelle ein physisches Dokument, das deine Erben anleitet. Dieses Dokument sollte NICHT die 24 Wörter (Seed Phrase) direkt enthalten, sondern als "Schatzkarte" dienen.
Was gehört in den Brief?
- Geräte-Liste: Wo liegen deine Hardware Wallets? (z.B. "Im kleinen Safe im Büro").
- PIN-Codes: Wie entsperrt man die Hardware Wallet? (Diesen Teil evtl. getrennt aufbewahren oder codieren).
- Fundort des Backups: Wo finden die Erben die 24 Wörter? (z.B. "Im Bankschliessfach Nr. 123 bei der Kantonalbank").
- Anleitungen: Links zu Videos oder Texten, die erklären, wie man eine BitBox02 oder einen Ledger bedient. Deine Erben sind vielleicht technisch nicht versiert.
- Vertrauensperson: Kontaktdaten eines Bitcoin-Experten (z.B. ein Coach), dem du vertraust. Wichtig: Dieser Experte darf technisch KEINEN Zugriff haben, er soll nur beratend zur Seite stehen.
Testamente und Schweizer Recht
In der Schweiz solltest du in deinem offiziellen Testament erwähnen, dass digitale Vermögenswerte existieren. Aber Achtung:
Verweise im Testament stattdessen auf den "Letter of Instruction" oder das Bankschliessfach, in dem die Zugangsdaten liegen.
Technische Lösungen ("Dead Man's Switch")
Es gibt technische Wege, z.B. "Timelocks" (Bitcoin, die erst nach einer gewissen Zeit bewegt werden können) oder automatisierte E-Mails, die verschickt werden, wenn du dich nicht einloggst. Ich rate Anfängern davon ab. Die Gefahr ist gross, dass du dich selbst aussperrst oder die Technik versagt. Ein gut dokumentierter Papier-Prozess ist robuster.
Das Wichtigste: Bildung
Der beste Plan nützt nichts, wenn deine Erben Angst vor der Technik haben und die Hardware Wallet in den Müll werfen. Sprich mit ihnen. Erkläre ihnen (zumindest grob), was Bitcoin ist und dass dort Wert gespeichert ist. Übe den Ernstfall einmal trocken durch.